At the end of the day – am Ende des Tages

At the end of the day we have spent 8 billion dollars.Am Ende des Tages haben wir 8 Milliarden Dollar ausgegeben. Moment mal … am Ende des Tages? Etwa heute Abend schon!? Wer sich noch über diese neumodische Redewendung oder vielmehr über diese miserable Übersetzung wundert, darf gerne weiterlesen.

Am Ende des Tages hier, am Ende des Tages dort.  Pseudointellektuelle TV-Reporter, meistens mit einem extralangen Mikrofon ausgestattet, wollen augescheinlich vor laufender Kamera unter Beweis stellen, dass sie richtig lange in Amerika waren und übersetzen ganz hip und lässig “at the end of the day” mit “am Ende des Tages”. Dabei gibt es diese Redewendung im Deutschen überhaupt nicht, sie wurde einfach von den amerikanischen Kollegen übernommen, wortwörtlich übersetzt und wird nun von jedermann munter nachgeplappert, weil man damit einfach unglaublich hip und modern zu klingen glaubt. Auch Politiker schrecken nicht davor zurück, das Ende des Tages in den Mund zu nehmen und plappern die neue Floskel munter nach:

Edmund Stoiber: “[...] dann besteht die große Gefahr, dass sich die Union, ihre Anhänger, ihre Wähler, ihre aktiven Mitglieder vor Ort und am Ende des Tages ganz Deutschland daran gewöhnt, dass wir immer Wahlergebnisse irgendwo in den Dreißigern bekommen.”

Christian Wulff: „Am Ende des Tages steht für mich eine renaturierte Ems.“

Peter Staab: „Am Ende des Tages zählen Leistung und Zahlen“

Ardian Bujupi: “Am Ende des Tages wird alles von mir abgesegnet.”

Korrekt übersetzt heißt “at the end of the day” nichts anderes als “letztendlich” oder “letzten Endes”, was dann doch einen längeren Zeitraum referenziert als das Ende des aktuellen Tages, was im Deutschen nichts weiter ist als der Abend. Bleibt zu hoffen, dass Politiker, Journalisten, Talkshow- und Nachrichtenmoderatoren auch irgendwann auf den Trichter kommen und die Redwendung künftig richtig übersetzen, aber bitte before the end of the day.

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12 Antworten auf At the end of the day – am Ende des Tages

  1. anonymous sagt:

    Hallo!

    Ich finde es völlig in Ordnung, wenn englische Begriffe “geklaut” werden bzw. einfach übersetzt, obwohl es sie im Deutschen so noch nicht gibt. So entwickelt sich doch eine Sprache weiter. Die ganzen Lehnwörter müssen ja auch von irgendwo her gekommen sein – früher hat man eben ein bisschen bei Latein oder Französisch geklaut, jetzt ist Englisch dran. Ich finde nicht, dass man dann gleich, wie es oft gemacht wird, den Tod der deutschen Sprache ausrufen muss. Vielmehr sehe ich darin eine gewisse Weiterentwicklung. Ist doch schön, wenn unsere Sprache auch noch ein bisschen wächst.
    Die englische Sprache wächst ja auch rasant – das sowohl durch Neukreationen von englischen Wörtern oder eben auch einfach durch Wörter aus anderen Sprachen. Da gibt es ja auch den “putz” (aus dem Yiddischen), den Idiot, den “zeitgeist”, “doppelgänger” oder “gesundheit!”.

    • Georg sagt:

      ” früher hat man eben ein bisschen bei Latein oder Französisch geklaut, jetzt ist Englisch dran.”

      Aber gerade darum geht es doch. Heute wird nicht nur ein “bißchen” aus dem Englischen kopiert, sondern praktisch alles übernommen, was machbar ist, nach dem Motto je mehr desto besser. Wir sagen bereits heute “have a nice day”, “oh my god” oder eben “at the end of the day” und entfremden uns damit unmerklich von unserer eigenen Sprache. Jeder unnötige Anglizismus verdrängt zwangsläufig ein deutsches Wort. Eine Bereicherung oder Weiterentwicklung kann ich hier nicht feststellen.

  2. Es zeigt wieder einmal, wie schnell sich Sprache verändert und weiterentwickelt: In den letzten Jahren hat man “Am Ende des Tages” vermehrt in Fernsehen gehört und auch gelesen, und schon hat es sich in den Wortschatz von vielen geschlichen. So lange diese Entwicklung nicht aus dem Ruder läuft, finde ich es nicht besorgniserregend. Wir sollten natürlich nicht einfach Wörter übernehmen oder übersetzen und dabei die Bedeutung komplett verzerren…

  3. Daniel sagt:

    aber Du musst doch zugeben, dass es besser klingt, als

    “(wichtig ist,) was hinten rauskommt” (H. Kohl)

    aber ja, diese hippe Journaille und super moderne Politiker sind oft nur schwer zu ertragen

    und da wir gerade bei Amerikanismen sind…vielleicht sollten wir deshalb auch Pollitiker (poll=Umfrage) schreiben…würde den Zustand des Geschäftes ganz gut beschreiben

    meine 2 ct (auch so ein US Ding)

    Daniel

  4. Sebastian sagt:

    Tag alle miteinander,

    Mir ist bis dato nicht aufgefallen, dass der Ursprung dieser Redewendung im amerikanischen Raum zu finden ist. Und so sehr ich mich auch selber über unbedacht und mit einer schier unendlichen Ignoranz übernommener Formulierungen mokiere, finde ich diese Anwendung recht passend.
    Zum einen sei gesagt, auch wenn die “korrekte” Übersetzung “letztendlich” lautet, so versteht doch ein jeder Englischsprechende die Wortfolge “Am Ende des Tages” und weiß genau, was damit gemeint ist. In meinen Augen vermag dieses Idiom die zeitliche Nähe und den Nachdruck des zuvor Gesagten zu vermitteln, was dem gar zögerlich anmutenden “letzendlich” nicht ganz gelingen mag.

    Warum also nicht diese blauäugige Übertragung in den deutschen Sprachgebrauch akzeptieren, wenn nicht sogar gutheißen?

    Rinjehaun,
    Sebastian

  5. Andie sagt:

    Stimme Angelika da vollkommen zu. Die Sprache entwickelt und verändert sich doch sehr schnell. Allerdings finde ich es auch seltsam, wenn Politiker Redewendungen wie “am Ende des Tages” verwenden, ohne deren Bedeutung oder Hintergrund zu kennen. Dann sollen sie lieber bei ihren altbekannten Floskeln bleiben und sich trocken ausdrücken.

    LG Andie

  6. Caro sagt:

    Hallo miteinander,

    ich benutze diese Redewendung sehr häufig, allerdings in der englischen Originalversion :) , und mag sie ausgesprochen gern! Geradezu perfekt, wenn man Gesagtes zusammenfassen möchte und seinen Worte einen gewissen Ausdruck verleihen möchte.

    Das deutsche “am Ende des Tages” hört sich zugegebenermaßen seltsam an. “Schlussendlich, letztlich” finde ich als Übersetzung etwas lasch, es hat nicht die gleiche Stärke wie im Englischen.

    Na ja, solange keine passende Übersetzung gefunden ist müssen wir wohl mit “am Ende des Tages” leben -Ideen sind gefragt.

  7. Hermann Philipps sagt:

    Die gebräuchlichere Form heißt eigentlich meist by the end of the day. Auch Google sieht das so. Für die Form mit at gibt es rund 98 Mio. Einträge, während die Form mit by um die 780 Mio. erbringt. Für mich klingt “am Ende des Tages” in diesem Zusammenhang einfach nur doof. “Letzten Endes” ist eindrucksvoll genug.

  8. Armin sagt:

    Also was hier für Kommentare abgegeben werden. Von Deutsch als “klauende” Sprache bis hin, dass das Deutsch zu schwach wäre mit “letztendlich”. Wer die Sprache nicht pflegt, wird schlicht die Sprache aussterben lassen wollen.
    Und “at the end of the day” ist genauso ausgelutscht wie “you know” alle zwei Worte.
    Und wer glaubt Englisch sei einfach, der irrt. Ich sage, Englisch ist schwieriger als Deutsch! Nur weil man verben nicht zu beugen braucht, heisst es noch lange nicht, dass es so einfach ist. Wie heisst es doch richtig? “You’re doing good” oder “You’re doing well”?

  9. Armin sagt:

    Ach ja: die sogenannten X-rays wären eigentlich Röntenstrahlen oder Rönten-rays, die Engländer haben aber hier den Erfinder zurückgedrängt, die Hoffnung, dass Englisch Wörter aufnimmt könnt ihr somit vergessen. Das war einmal, als Englisch aufnahm, jetzt teilt Englisch aus.

  10. M. aus B. sagt:

    Also, ich weiß gar nicht was du hast!
    Nur weil wir diesen “hippen” Begriff “in 2003″ vielleicht noch nicht benutzt haben, heißt das doch noch lange nicht, dass es “am Ende des Tages” im Deutschen keinen “Sinn macht”! ;)
    Was immer uns die hochintelligenten megalässigen Fernsehfuzzis um die Ohren hauen, wird von uns, als unwissender Masse, der es komplett an Bildung mangelt doch gierig aufgesogen, damit wir wenigstens ein bisschen ernst genommen werden in der deutschsprachigen “Businesswelt”.
    Nun aber mal den Spaß beiseite, Frank!
    Ich will dich heiraten! Ja, dies ist ein offizieller, ernstgemeinter Antrag!
    Jahrelang war ich auf der Suche, nach der einen Person, die sich mit meiner grammatischen Pedantik messen kann, die in der Lage ist, mich zu verbessern, weil sie in einer Welt lebt, in der Grammatik, Wörter, sprachliche Zusammenhänge und die Ästhetik des gesprochenen sowie des geschriebenen Wortes einen sehr hohen Stellenwert einnehmen.
    Mit Humor, einer Portion Selbstironie und mit viel Geduld den ignoranteren Mitmenschen gegenüber, die Werte unserer Sprachen und deren Schönheit zu vermitteln, das sollte das Ziel sein!
    Leider gab es ja schon länger nichts Neues mehr, trotzdem aber eine wunderbare Seite, und vielleicht liest du meine Nachricht ja trotzdem.

    Liebe Grüße aus Bristol,

    Maraike

    Nun aber mal

  11. Christiana sagt:

    Haha dieser Artikel ist der Wahnsinn. Habe eben auch zum ersten mal diese wortwörtliche Übersetzung gehört und bin durch Google hier gelandet, da ich mir bereits dachte, dass die Übersetzung absoluter crap ist. Aber wie ihr bereits gesagt haben wird dieses wohl eine Trendphrase sein. Hoffen wir, dass sie sich so in der Form am Ende des Tages nicht durchsetzt…
    LG

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