Grammatische Fachbegriffe für Dummies: Die Aussageweise (Modus)

Grammatik für Dummies Den Modus kennen wir alle aus unserem Alltagsleben. Da gibt es den Schlafmodus, in den vor allem Schüler verfallen, wenn sie eigentlich lieber aufpassen und lernen sollten. Zumeist wird der Schlafmodus automatisch durch spannende Fächer wie Mathematik, Latein und Religion ausgelöst und oftmals erst wieder aufgehoben, wenn der Lehrer im Chemieunterricht eine Kernfusion im Mikroformat durchführt. Den gleichen Modus kennt der heimische PC, der einfach einpennt, wenn man ihn eine Weile nicht beschäftigt hat. Auch der Taschenrechner kennt den ein oder anderen Modus, von denen ich weder den einen noch den anderen jemals wirklich effektiv benutzen konnte. Mit dem grammatischen Modus hat das alles eigentlich nur eins gemeinsam: Die Beteiligten beamen sich kurzerhand in eine andere Welt und setzen sich in ein ganz spezielles Verhältnis zur Gegenwart und zur Realität. Der Plural von Modus lautet “Modi” und derer kennen wir im Deutschen genau vier:

1. Den Indikativ

2. Den Konjunktiv I

3. Den Konjunktiv II

4. Den Imperativ

Der Indikativ ist die Wirklichkeitsform, in welcher der Sprecher die Aussage als gegeben hinstellt. Keine hypothetischen Phantasien oder Wünsche, sondern nackte Tatsachen. Die Tempora, die wir bisher gelernt haben, standen alle im Indikativ. Tempus und Modus dürfen nicht verwechselt werden. Sie haben nur insofern etwas gemeinsam, als jedes Tempus in einem der vier Modi stehen kann!

Wozu sind nun diese Modi gut, woran erkennen wir sie und wann benutzt man sie?

Den Konjunktiv I kennen wir alle hauptsächlich aus der indirekten Rede oder aus Omas Kochbuch:

1. Anton sagte, Ottos Mops sei schon ein bisschen zu fett. (Konjunktiv I)

2. Man nehme Dr. Oetker. (Konjunktiv I)

Der Konjunktiv I kommt also hauptsächlich dann zur Anwendung, wenn wir uns von der Aussage einer anderen Person distanzieren wollen oder nicht gleich einen Befehl aussprechen wollen, um etwas höflicher zu klingen. Es würde ja auch schon etwas ungehobelt rüberkommen, wenn in dem Kochbuch stehen würde: “Nimm Dr. Oetker, reiß die Papiertüte auf, kipp das Zeug in die Schüssel, gib zwei Eier hinzu und rühr das Ganze ordentlich um!”

Den Konjuktiv II kennen wir ebenfalls aus der indirekten Rede:

“Er sagte, er hätte sich einen Panzer gekauft.”

oder aber auch von Äußerungen, die einen bestimmten Wunsch oder etwas Irreales bekunden:

Wäre das schön, wenn ich mich nun auf einer einsamen Insel befände.”

Beziehungsweise aus Konditionalsätzen:

Wenn ich im Lotto gewänne, würde ich mir einen Porsche kaufen.

Moment mal, welches ist nun eigentlich die korrekte Form der indirekten Wiedergabe, Konjunktiv I oder II?

1a) Er sagte, er habe sich einen Panzer gekauft.

1b) Er sagte, er hätte sich einen Panzer gekauft.

Beide Sätze sind richtig. Der Duden empfiehlt den Gebrauch des Konjunktiv I, der Konjunktiv II darf ihm aber zu Hilfe eilen, wenn die Form des Konjunktiv I sich nicht von der Form des Indikativ unterscheidet:

Er sagte, die Herren haben einen Schuss./Er sagte, die Herren hätten einen Schuss.

haben = Indikativ 3. Pers. Pl = Konjunktiv I 3. Pers. Pl, deswegen dürfen wir hier den Konjunktiv II benutzen.

Zudem darf der Konjunktiv II dann zur Anwendung kommen, wenn man sich noch stärker von dem Gesagten distanzieren will und der Aussage nicht so richtig glaubt. Im Satz 1b schwingt durch den Konjunktiv II der leichte Unterton mit, dass ich dem Typ nicht so richtig glaube, dass er sich einen Panzer gekauft hat. Wisst ihr überhaupt, was so ein Teil kostet?

Den Konjunktiv II erkennt man meist an den Umlauten, das sind die a, o und u mit den Bubbels auf dem Kopf: ä, ü und ö. Er wird aus der Form des Präteritum abgeleitet:

Ich begann – ich begänne

ich hatte – ich hätte

ich schlief – ich schliefe etc.

Dann war doch da noch was mit “würde”. Die Umschreibung mit “würde” greift immer mehr um sich und ersetzt zunehmend die Formen des Konjunktiv II. Kann man jetzt auch sagen:

“Er sagte, er würde mir helfen” statt “Er sagte, dass er mir hülfe.” ?

Ja, auch das geht. Bei Formen, die gemeinhin als altertümlich gelten oder gestelzt klingen, darf man diese dann mit der Ersatzkonstruktion “würde” umschreiben.

Ebenso natürlich die indirekte Wiedergabe im Futur:

“Ich werde jetzt erstmal schwimmen gehen.”

“Er sagte, er würde jetzt erstmal schwimmen gehen.”

Sind allerdings eindeutige Konjunktiv II-Formen zur Verfügung, sollten diese auch genutzt werden, also nicht:

“Ich würde gerne ein Millionär sein.”

sondern besser: “Ich wäre gerne ein Millionär.”

In Bezug auf andere Sprachen, die wir üblicherweise in der Schule lernen (Englisch, Französisch und Spanisch) bleibt zu erwähnen, dass der deutsche Konjunktiv absolut nichts mit dem französischen Subjonctif, dem spanischen Subjuntivo oder dem englischen Subjunctive zu tun hat. Der Grund dafür ist, dass der deutsche Konjunktiv II aus dem indogermanischen Optativ hervorgeht und sich bei uns erhalten hat (wahrscheinlichweil wir so lieb zu ihm waren), während er in den anderen erwähnten Sprachen durch die Tempora des Indikativ ersetzt wurde. Ein zwei drei Beispiele:

1. He said he was ill.

2. Il a dit, qu’il était malad.

3. Dijó que era enfermo.

Übersetzung: Er sagte, er sei krank (Englisch/Französisch/Spanisch Indikativ, Deutsch Konjunktiv)

Der subjonctif/subjuntivo wird durch bestimmte Konjunktionen ausgelöst, die diesen Modus automatisch nach sich ziehen und nach denen dann wiederum im Deutschen häufig der Indikativ steht. Doch dies nun auszuführen, würde doch etwas zu weit führen bzw. führe doch etwas zu weit.

Der Imperativ ist die Befehlsform und wird meist mit einem Ausrufezeichen besonders markiert:

Fritz, gib mir sofort den Mantel!

Hans, nimm den Mops an die Leine!

Sprich doch etwas lauter, ich vestehe Dich so schlecht!

Die meisten Fehler werden hier gemacht, indem einfach die Indikativform benutzt wird. Es heißt als nicht “nehme!” sondern “nimm!” und nicht “breche!” sondern “brich!”. Die wichtigsten unregelmäßigen Imperative sind: Sprich! Lies! Hilf! Nimm! Stirb! Vergiss! Tritt! Sieh!

Der Imperativ hat also nichts mit dem Infinitiv zu tun, mit dem er häufig von Schülern verwechselt wird, weil die beiden Wörter sich so ähneln:

Nehmen: Infinitiv

Nimm!: Imperativ

Zu unserem Test des Tages, heute mit Modusbestimmung:

1. Otto kaufte eine neue Mopsleine -> Indikativ

2. Otto sagte, er habe eine neue Mopsleine gekauft -> Konjunktiv I

3. Otto sagte, er hätte sich eine neue Mopsleine gekauft – > Konjuntiv II

4. Otto sagt, er würde sich eine neue Mopsleine kaufen -> Umschreibung mit “würde” in Bezug auf zukünftiges

5. Wenn ich Millionär wäre, würde ich mir einen Porsche kaufen -> Konjunktiv II in einem Konditionalsatz

6. Nimm die Füße aus der Pfanne! -> Imperativ

7. Die Füße aus der Pfanne nehmen -> Infinitiv

Share
This entry was posted in Grammatik für Dummies and tagged . Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>