Auswandern für Dummies – Goodbye Deutschland (2): Die neue Heimat

Die neue Heimat stellt den Auswanderer stets vor neue Herausforderungen. Im Folgenden deshalb ein paar weitere Tipps, die das Eingewöhnen leichter machen.

1. Der Flughafentransfer

Am Flughafen angekommen, such dir am besten zuerst ein Taxi. Warum? Weil du höchstwahrscheinlich nicht weißt, wie das Wort “Bus” in der Landessprache heißt. In den meisten Ländern heißt das  “Taxi” auch “Taxi” und ist gelb. Wenn es nicht gelb ist und “Taxi” heißt, dann hat es eine andere Farbe und heißt anders.

2. Behördengänge

Bereite dich auf nervige Behördengänge vor. Telefon, Einwohnermeldeamt, Internet, Kinder und der ganze Krams müssen angemeldet werden.  Schicke vor jedem Behördengang ein Stoßgebet zum Himmel, dass die Formulare auf Deutsch verfügbar sind. Andernfalls merk dir folgenden Satz: “Ich versteh nur Bahnhof!” Rufe diesen Satz dreimal laut aus und gestikuliere dabei wild mit den Händen. Das wird den zuständigen Beamten milde stimmen und dazu veranlassen, mit dir zu lachen anstatt dich umgehend zu erschießen.

2. Jobsuche, Geld und mehr

Such dir im Ausland stets einen Beruf, von dem du keinen blassen Schimmer hast. Das bedeutet, dass du dich als Friseur bewirbst, wenn du in Deutschland Maurer warst, einen Pizza-Service aufmachst, wenn du vorher Altenpfleger warst und Vermögensberater wirst, wenn du bisher eine Ponyfarm betreut hast. Im Ausland ist man oftmals nicht so zimperlich und Berufsausbildungen sind sowieso für die Katz.

3. Kinder und Schule

Es hilft alles nichts: Kinder müssen auch im Ausland auf die Schule. Den ganzen Tag Skorpione fangen ist nicht nur gesundheitsschädlich sondern auch stupide. Zum Thema Schule gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Ich beginne mit der schlechten: Private Schulen sind im Ausland oftmals sehr teuer, dafür ist die Ausbildung dort sehr gut. Die Kinder freuen sich und haben weiße Hemden an. Staatliche Schulen sind fast immer heruntergekommen, überfüllt und leiden unter notorischem Lehrermangel. Dafür sind sie kostenlos. Jetzt die gute: Da du mit der Ankunft im neuen Land sowieso pleite bist, entfällt die Qual die Wahl.

4. Existenzgründung

Wenn du im Ausland auf eigenen Beinen stehen willst, dann such dir auf jeden Fall eine Marktlücke. Hau keinesfalls in die gleiche Kerbe, wie schon andere vor dir. Zwei Geheimtipps: Im Dschungel von Guatemala gibt es noch keinen Dönerstand. Und an der Strandpromenade der Playa de Palma wartet man schon seit 200 Jahren auf einen Drehorgelspieler.

5. Ernährung

Ernährung im Ausland ist für Deutsche oftmals problematisch. Such dir deshalb möglichst deutsche Küche. Denk immer an das bekannte Auswanderer-Sprichwort:

Was in Deutschland der Kammerjäger jagen tut, macht im Ausland sich auf dem Teller gut.

6. Einwohner

Meide unter allen Umständen den Kontakt zu Einheimischen. Sie machen oftmals viel Lärm und geben komische Geräusche von sich. Deutsche Bars und Lokale erkennst du an den Farben schwarz, rot, gold. Dort lass dich nieder und sing bekannte Lieder.

7. Einkaufen

Schicke grundsätzlich deine Frau zum Einkaufen. Drück ihr dazu ein minikleines Wörterbuch von Langenscheidt mit mindestens 200 Einträgen in die Hand. Das, was sie wirklich wissen muss, steht dort nämlich nicht drin. So lernt sie die neue Sprache viel schneller und kann künftig für dich dolmetschen.

8. Fernsehen und deutsche Medien

Kauf dir als allererstes im nächsten Elektrogeschäft eine riesige Satellitenschüssel und montiere sie auf dem Dach oder dem Balkon. Nur so wirst du auch im Ausland RTLII gucken können. Auch die Bildzeitung findet in einschlägigen Auswanderer-Städten reißenden Absatz.

9. Kultur- und Heimatpflege

Dekoriere dein Haus auch im Ausland schwarz, rot, gold. Das gilt nicht nur für die Fußball-WM, sondern für das ganze Jahr. Schließlich soll gleich jeder wissen, mit wem er es zu tun hat.

10. Bekleidung und Verhalten im Ausland

Trage immer Sandalen, weiße Socken, bunte Shorts und ein Hawaii-Hemd. Wenn möglich alles drei Nummern zu klein. Dadurch bleibt es dir erspart, den unter Punkt 2 erwähnten Satz auswendig zu lernen. Versuche stets ein Kofferradio mit den neusten Fußballhits mit dir zu führen und es auch zu betreiben. Damit bringst du den Einheimischen unsere Kultur etwas näher.

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2 Antworten auf Auswandern für Dummies – Goodbye Deutschland (2): Die neue Heimat

  1. Marc sagt:

    Auch wenn es teilweise ziemlich lustig ist, ist es für mich dennoch erschreckend, wie unvorbereitet manch ein Auswanderer der Heimat den Rücken kehrt.

  2. Marcus sagt:

    Ich hätte noch einen Punkt:

    11. Spar Dir, die Landessprache zu lernen, denn Du findest im Handumdrehen sicherlich viele Landsleute, die Dir völlig selbstlos helfen werden. Natürlich weden Dich Deine Landsleute niemals betrügen, egal wie knapp sie bei Kasse sind.

    -> Ist natürlich nicht ernst gemeint.
    Ein altes Sprichwort lautet: “Hüte Dich vor Sturm und Wind und vor Landsleuten, die im Ausland sind”.
    Oftmals stellen die eigenen Landsleute eine der grössten Gefahren im Ausland für Auswanderer dar. Gutgläubige Neuankömmlinge bedeuten für “gescheiterte” Auswanderer eine gute Chance, die eigene (leere) Kasse aufzubessern. Je geringer die Sprachkenntnisse, desto grösser die Gefahr von Leuten über das Ohr gehauen zu werden, die man bei Behördengängen und anderen Dingen zum “Dolmetschen” benötigt.

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