Das Schwiegermonster und der Schwager

In einem Forum habe ich heute  eine interessante Frage gelesen: Woher kommt eigentlich das “Schwieger” in Schwiegermutter? Gehen wir der Sache doch einfach mal auf den Grund.

Das Wort “Schwieger” in Schwiegermutter ist das weibliche Gegenstück zum Wort “Schwager”, das bis ins Indogermanische zurückverfolgt werden kann: Lat. socrus, russisch svekrov, altindisch svasruh, altisländisch svaera. Wir haben es hier also mit einem richtig alten Wort zu tun. Das Wort “Schwager”, aus dem quasi die weibliche Gegenbildung “Schwieger” entstand, lässt sich aus dem altindischen svaúurah ableiten und bedeutet so viel wie “zum Schwiegervater gehörig”.

Schriftsprachlich gilt heute als “Schwager” nur noch der Ehemann der Schwester und der Bruder der Frau oder des Mannes. Im älteren Neuhochdeutschen verwendete man den Begriff auch als vertaute Anrede unter Nichtverwandten.

Und wer mir jetzt sagt, wie man den  Bruder des Onkels vom Schwager meiner Cousine nennt, der kriegt drei Gumminpunkte. :-)

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9 Antworten auf Das Schwiegermonster und der Schwager

  1. Ute sagt:

    Eine direkte Bedeutung für “Schwieger” oder “Schwager” gibt es jedoch nicht, oder stehe ich grad auf der Leitung?

  2. Frank sagt:

    Hi Ute,

    ursprünglich einfach ein Adjektiv “zum Schwiegervater gehörig”. Daraus hat sich dann das Substantiv entwickelt mit seiner eigenen Bedeutung (für den Mann der Schwester)

  3. Hner sagt:

    Ich bin begeistert, das war richtig hohe Indogermanistik! Sauber, Frank! Um wenigstens noch irgendwas hinzuzusenfen, bleibt mir noch anzumerken, dass man derartige Ableitungen als Vrddhi (sanskritisch für “Zuwachs”, mit silbischem r, für das mir das Sonderzeichen fehlt) bezeichnet. Aber dieser Zusatz ist lediglich Ausdruck meiner akademischen Eitelkeit.

    Super Beitrag!

    @Ute: Die Wurzel ist theoretisch sicher noch weiter segmentierbar, aber leider verliert man sich dann in den Unwägbarkeiten der internen Rekonstruktion, da die Vergleichsgrundlage fehlt. Anhand der historisch-vergleichenden Methode lässt sich nur das angeführte lexikalische Kernmorphem isolieren.

    @Frank: Wie ich deiner Transkription entnehme, nutzt du nicht den Pokorny als Nachschlagewerk!
    An deiner Bonusfrage scheitere ich leider kläglich. Ich hoffe, du lieferst die Auflösung nach! ;)

  4. Frank sagt:

    Hallo Hner (by the way, wie kommst Du eigentlich SeHrner, ich verknote mir regelmäßig die virtuelle Zunge, wenn ich versuche, das gedanklich auszusprechen. Ist das Norwegisch?),

    vielen Dank für Deinen konstruktiven Beitrag. Die Bonusfrage kann ich derzeit selbst nicht beantworten, vielleicht findet sich aber noch jemand :-)

  5. Hner sagt:

    Nein, “Hner” ist die Rekonstruktion des uridg. Begriffs, der u.a. dem griechischen aner “Mann” und der Wurzel “ner-” in dem lat. Eigennamen “Nero” zugrundeliegt. Geschrieben mit Coversymbol “H” für den Laryngal, der als worteinleitender Laut rekonstruiert wird. Ist eigentlich ein Laryngal 2, aber das sieht dann zu kryptisch aus. Und das deutsche Adverb “sehr” ist als Wort einfach spannend. Die ehemalige Semantik “schmerzlich” (so noch zu finden in engl. “sore” und im Hinterglied des Kompositums “versehrt”) illustriert besonders deutlich wie eine Generalisierung zum Ausgliedern eines Wortes aus einem Paradigma führen kann. Die metaphorischen Implikationen finde ich in dieser Zusammenstellung reizvoll, auch wenn sie, glaube ich, so von niemandem wahrgenommen werden.
    Aber du hast recht, es ist wirklich nicht leicht das auszusprechen! Das “H” in “Hner” am besten stumm realisieren. ;)

  6. Frank sagt:

    Ah, das ist dann also der berühmte Laryngal *h2. Ich hab mich schon lange gefragt, wie man den wohl ausspricht (bin ja nur “Freizeitindogermanist”) ;-)

    ανηρ kenne ich natürlich, aber dass das auch mit Nero zusammenhängt, war mir neu.

    Many thanks. SEH(ne)r interessant.

    Frank

  7. Ute sagt:

    Dank euch beiden für die weiteren Erklärungen.

    @Frank wenn ich Kommentare per Mail abonnieren könnte, würde ich sicher schneller wieder mal reinschauen… ;-)

  8. Frank sagt:

    Hi Ute, guter Einwand. Gibts dafür ein Plugin? Soweit ich weiß, gab es da aber mal ein Abmahn-Problem, weil irgendwer einfach die E-Mail-Adresse von anderen Menschen eingetragen hat und die dann belästigt wurden …

  9. Ute sagt:

    Hi Frank,

    ja gibts das Ding heißt Subscribe to Comments, da gibts eine deutsche Version, mit Bestätigung, statt abgemahnt werden. Je nach WordPress-Version ists manchmal etwas zickig, aber meist klappt es…

    siehe auch: http://www.miradlo.net/bloggt/wordpress/in-eigener-sache-kommentare-kommentarabos-und-abmahnungen

    Wäre wirklich eine gute Idee… ;-)

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