Grammatische Fachbegriffe für Dummies (2): Das Verb

Grammatik für Dummies Nachdem ich mich so ausführlich über das Substantiv (Nomen) ausgelassen habe, meldete sich bei mir das Verb zu Wort und verlangte, dass ich auch darüber ein bisschen was schreibe. Nun gut, weil ich nicht möchte, dass in diesem Blog jemand beleidigt ist oder benachteiligt wird, kriegt nun auch das Verb sein Fett weg. Verben können nämlich auch was ganz Tolles: Sie lassen sich konjugieren. Substantiv, Artikel und Pronomen hingegen werden dekliniert, also in die vier Fälle gesetzt, wie wir bereits gesehen haben.

Verben wurden von unserer Klassenlehrerin Frau Bratapfel meist als “Tätigkeitswörter” oder “Tunwörter” bezeichnet, z.B. schlagen, essen, laufen. Aber auch hier lag die gute Frau gar nicht immer im grünen Bereich mit ihrer Äußerung, denn es gibt durchaus Wörter, die zwar Verben sind, aber keine Handlung im eigentlichen Sinne bezeichnen, z.B. sein, haben oder sich ereignen. Nun habe ich gerade geschrieben, dass Verben konjugiert werden, was heißt das genau?

Konjugieren bedeutet, dass die Verben der jeweiligen Personalform angepasst werden, also

1. Ich spreche

2. Du sprichst

3. Er spricht

———————-

1. Wir sprechen

2. Ihr sprecht

3. Sie sprechen

Jetzt können wir wohl schon problemlos das Verb in folgendem Satz ausfindig machen:

“Ottos Mops frisst frische Fische.”

Na, wer hat’s gefunden? Genau, “frisst” ist das Verb und es steht in der 3. Person Singular (er/sie/es frisst).

Man nennt diese Verbform, die sich konjugieren lässt, finite Verbform. Nun gibt es aber Verbformen, die nicht mitmachen bei dem Konjugationsspiel, solche Verbformen nennt man infinite Verbformen, das sind:

der Infinitiv: sprechen

das Partizip I: sprechend (Mittelwort, man erkennt es an der Endung (“nd”)

das Partizip II: gesprochen (Meist an der Vorsilbe “ge” erkennbar, aber nicht immer!)

Diese Verbformen lassen sich nicht konjugieren (Ich sprechen, Du sprechen, Er sprechen … was guckst Du, Alter?)

Was müssen wir nun noch über Verben wissen? Verb ist nicht gleich Verb, man kann sie noch einmal unterteilen in Vollverben, Hilfsverben und Modalverben.

Vollverben: Vollverben haben eine “volle Bedeutung” und können somit alleine im Satz vorkommen.

Bsp.: Anton liest, Ottos Mops frisst, Hans schläft.

Hilfsverben fühlen sich immer ein bisschen alleine und brauchen Hilfe, um einen sinnvollen Satz zu bilden. Hilfsverben sind sein, haben, und werden. Sie werden benötigt, um mit Hilfe des Partizip Perfekts oder des Infinitivs die zusammengesetzten Zeiten (Tempora) zu bilden, z.B. das Perfekt:

1. Anton hat eine Zeitung gelesen. (hat= Hilfsverb, gelesen= Partizip perfekt)

2. Der Mops ist heute früh aufgestanden. (ist= Hilfsverb, aufgestanden= Partizip perfekt)

oder das Futur:

3. Anton wird zum Richtfest kommen. (wird= Hilfsverb, kommen= Infinitiv)

Allerdings können sein, haben und werden auch Vollverben sein. Entscheidend ist immer, ob sie ohne eine andere Verbform auskommen oder nicht:

1. Ich habe ein Auto (haben als Vollverb)

2. Ich bin Industriemechaniker (sein als Vollverb)

3. Ich werde Mopszüchter (werden als Vollverb)

Modalverben sind Verben, die den Gehalt des Vollverbs modifizieren: dürfen, können, sollen, müssen, mögen und wollen:

Bsp.: Ottos Mops mag die Zeitung nicht lesen (“mag” modifiziert den Infinitiv “lesen”)

Dann gibt es noch die reflexiven Verben, die sind auch nicht gerne alleine, sondern wollen immer ein Reflexivpronomen (z.B. mich, dich, sich) bei sich haben. Wir kennen sie auch aus anderen Sprachen, z.B. aus dem Französischen. Beispiele für reflexive Verben:

sich waschen (se laver)

sich setzen (s’asseoir)

sich einbringen (s’investir)

Wie in dem Artikel “frägst du noch oder käufst du schon” bereits erwähnt, unterscheiden wir zwischen starken Verben und schwachen Verben. Warum muss ich das nun schon wieder wissen? Im Grunde machen wir das als Muttersprachler automatisch richtig und brauchen die Stammformen nicht großartig auswendig lernen. Nur sollte man wissen, was der Lehrer meint, wenn er von starken und schwachen Verben spricht. Starke Verben verändern ihren Stammvokal in den drei Grundformen:

sprechen – sprach – gesprochen (Engl. speak – spoke – spoken)

Schwache Verben verändern ihren Stamm hingegen nicht:

leben – lebte – gelebt (Engl. live – lived – lived)

Zunächst die gute Nachricht: Neue Verben, die zu unserer Sprache hinzukommen, werden automatisch regelmäßig konjugiert, z.B. chillen, chillte gechillt (steht wirklich im neuen Duden, obwohl mein Rechtschreibprogramm was dagegen hat). Und jetzt die schlechte: Die unregelmäßigen werden häufiger benutzt. :-)

Nun gibt es noch einiges über die Tempora (Zeitformen) und Aussageweisen (Modi) zu berichten. Diesen widme ich allerdings einen eigenen Artikel.

Hauptsache ist nun erstmal, dass wir nach allem, was wir bisher gelernt haben, die Verbformen in folgendem Satz sicher bestimmen können:

Otto, der den schlafenden Mops mit einer frischen Lasagne überraschen wollte, hatte nicht daran gedacht, dass sich der Hund bei seinem letzten Ausflug in das italienische Restaurant des Nachbarn total überfressen hatte.

schlafenden: Partizip Präsens (Partizip I)

wollte: Modalverb

hatte: Hilfsverb

gedacht: Partizip Perfekt (Partizip II)

sich überfressen: Reflexives Verb

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