Harakiri im Pyjama

Die Sprachpuristen rennen ja regelmäßig haareraufend im Kreis, wenn sie im Deutschen auf Wörter wie “Business-meeting”, “Handy” oder “e-book” stoßen. Zugegeben, der Einfluss des Englischen ist aufgrund seiner Vormachtstellung in der Welt auch im Deutschen unübersehbar, aber auch andere Sprachen haben bereits kräftig mitgemischt, um unseren Wortschatz zu bereichern. Die wenigsten Wörter sind im Grunde wirklich germanischen Ursprungs, nur fällt das hier gar keinem mehr auf.

So kommt zum Beispiel unser “Fenster” aus dem Lateinischen und das “Baguette” aus dem Französischen. Doch es gibt auch noch weit unauffälligere Kandidaten, nämlich jene, die eigentlich aus dem asiatischen Raum zu uns gekommen sind: So zum Beispiel der “Tycoon”, den wir zwar aus dem Englischen übernommen haben, aber im Grunde kommt das Wort aus dem Chinesischen über das Japanische und bedeutet so viel wie “großer Führer”. Es ist zusammengestzt aus “ta” (groß) und “chün” (Führer). Auch der dicke Bonze ist eigentlich ein Japaner: “bozu” ist wörtlich übersetzt eigentlich ein Priester, ein buddhistischer Mönch. Wenn wir uns abends einen Pyjama anziehen, dann haben wir im Grunde nur eine Hose ohne Oberteil an. Das Wort persischen Ursprungs “payajama” besteht in seine Einzelteile zerlegt eigentlich aus “pa”, für Fuß/Bein und “jama” für Kleid. Kraft und Schönheit für Ihr Haar: Das Wort “Shampoo” ist im Grunde seines Ursprungs eigentlich ein Imperativ und bedeutet auf Hindi so viel wie “Massiere!” (“chhampna”).  Machen wir noch ein bisschen in der Küche weiter. Auch unser “Ketchup” kommt zumindest aufgrund seiner Etymologie her aus China. “Ketsiap” war dort noch bis ins 18. Jahrhundert eine würzige Fischsoße. Unser “Zucker” hat eine weitere Reise hinter sich. Über das Arabische und Persische kommt es eigentlich aus dem alten Indien, wo “sákara” so viel wie Kies bzw. Gries bedeutete. Auch der “Muskat” kommt eigentlich aus dem Altindischen: “muskáh” bedeutete dort soviel wie “Mäuschen” oder “Hoden”. Kann man ja auch leicht verwechseln :-)

Unser “Dschungel” war im altindischen (“jangala”) eine unfruchtbare, menschenleere Gegend. Wenn auch nicht alle Asiaten gleich Amok laufen, wenn man ihnen die Wörter klaut, so kommt aber auch dieser Ausdruck eigentlich aus dem Malaiischen: A-moq bedeutet in dieser Sprache “wütend” oder “rasend”. Dass Kamikaze, Harakiri und Karaoke aus dem Japanischen kommen, dürfte jedem klar sein. Doch was ist eigentlich die wörtliche Bedeutung?  Kamikaze heißt so viel wie “Gotteswind” und bezeichnet einen starken Sturm, der den Japanern zum Sieg verhalf. Harakiri kann man in “Hara” (Bauch) und “kiru” (schneiden) zerlegen. Karaoke hingegen heißt wörtlich übersetzt “leeres Orchester”.

Also: Nicht alles was Englisch aussieht, ist auch wirklich Englisch.

Share
This entry was posted in Etymologie. Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>