jemand anders oder jemand anderen?

Bei bestimmten Wendungen kommt man häufig auch als Muttersprachler ins Straucheln. So fragen sich viele sprachlich interessierte Menschen: Heißt es nun eigentlich “ich habe Ottos Mops mit jemand anders spazieren gehen sehen”, oder “ich habe Ottos Mops mit jemand anderem spazieren gehen sehen”?

Fangen wir doch einfach mal mit dem Anfang an, also mit den Basics. Mit welcher Wortart haben wir es bei “jemand” zu tun? Genau, mit einem Indefinitpronomen. Dazu gehören Wörtchen wie “alle, einer, einige, etwas, jeder, jemand, keiner, man, niemand, nichts. Man bezeichnet diese Art Wörtchen als Indefinitpronomen, weil sie eine nicht genau abgezählte Menge bezeichnen. Einige Indefinitpronomen werden dekliniert (z. B. jeder), andere verändern ihren Stamm dagegen nicht oder nur eingeschränkt.

jemand und niemand: Deklination

jemand und niemand gehören zu den Stellvertretern des Substantivs. Sie beziehen sich immer auf Personen und kommen nur im Singular vor.

Nominativ: jemand (Bsp.: Dort vorne steht jemand)

Genitiv: jemand(e)s (Bsp.: Ich habe jemandes Mopsleine geklaut)

Dativ: jemand(em) (Bsp.: Ich habe jemandem die Pfote geschüttelt)

Akkusativ: jemand(en) (Bsp.: Ich habe jemanden kotzen sehen)

jemand anderer/anderes/anders?

Oftmals wird das Indefinitpronomen mit “anderer” verbunden. Doch meist ist hier den Sprechern nicht ganz klar, wie dann dekliniert werden soll. Der Duden regelt nun, dass das Wörtchen “anderer” entweder die Markierung des richtigen Kasus übernehmen kann, oder auch nicht. Es ist uns also freigestellt, ob wir sagen

  • Ich habe jemand anderem (Dativ) die Pfote geschüttelt, oder
  • Ich habe jemand anders die Pfote geschüttelt.
  • Ich habe jemand anderen gesehen, oder
  • Ich habe jemand anders gesehen.

Beide Formen sind also richtig.

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8 Antworten auf jemand anders oder jemand anderen?

  1. nina sagt:

    jetzt bin ich aber ganz und gar am straucheln: müsste es nicht heißen, ich habe otto mops mit … spazieren gehen gesehen??? :(
    lese übrigens gern in deinem blog :)

    • nssi sagt:

      Theoretisch ja, aber wenn dem Partizip II (gesehen) ein Infinitiv vorausgeht, nimmt dieses die Infinitivform an, bleibt aber Partizip II.

  2. schoni sagt:

    Der Blog ist einfach göttlich !!!

  3. Lars sagt:

    Vielen Dank!

  4. roland sagt:

    Meine Abneigung gegen “jemand anders” liegt weniger darin, dass ich Ösi und gewissermaßen auch ein Gewohnheitstier bin, sondern vielmehr darin, dass “jemand anders” eine zweite Bedeutung zulässt, indem sich mir unwillkürlich das Folgewörtchen “als” aufdrängt. Daher gefällt mir “anderes/m/n” ungleich besser, um einen gängigen Quasi-Pleonasmus zu gebrauchen.

  5. tom aus venlo sagt:

    schlage mich mit folgendem Problem herum…na ja …Problem???

    welche Form(en ist/sind richtig?

    dir, meine liebe, kann man nichts vormachen…..(nominativ, weil vokativ?)

    dir, meinen lieben, kann man nichts vormachen…..(dativ, schwáche beugung, weil im kongruierendem fall?)

    dir, meiner lieben, kann man nichts vormachen…..(dativ, stárk, weil im kongruierendem fall?)

    ihr Deutsche oder ihr Deutschen?

    mir, armer Mann/armem Mann/armen Mann….kann man nichts vormachen

    …und warum?

    Grüßli
    tom

    (bin holländer, wohne und arbeite da…und habe hin und wieder mit der deutschen Sprache zu tun!)

  6. Judith Dengel sagt:

    “Der Duden regelt nun, dass das Wörtchen “anderer” entweder die Markierung des richtigen Kasus übernehmen k a n n”:

    Ich habe jemand anderem (Dativ) die Pfote geschüttelt

    “, oder auch nicht.”:
    Ich habe jemand anders die Pfote geschüttelt.

    Mir ist nicht klar, wie aus dem Wörtchen “anderer” im kasusunmarkierten Fall das Wörtchen “anders” wird. Wäre um eine Erklärung dankbar. :)

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