Jemandem die Leviten lesen

Nachdem Ottos Mops die nagelneuen Gummischuhe von Ottos Freundin zerkaut hat, kriegt er von Otto erstmal kräftig die Leviten gelesen. Er wird ausgeschimpft, muss sich in die stille Ecke setzen und darf sich bloß nicht mopsen. Doch woher kommt überhaupt der Spruch “jemandem die Leviten lesen“?

Die Wendung kommt aus dem 8. Jahrhundert und geht auf das Mönchswesen zurück. In bestimmten Andachts- und Bußübungen der Benediktiner wurden oftmals Texte aus der Bibel vorgelesen, häufig aus dem dritten Buch Moses (Levitikus), welches vor allem Verhaltensmaßregeln für Priester (Leviten) enthält. Nach der Lesung gab es häufig noch Strafpredigten, um die verwilderte Geistlichkeit im Zaum zu halten.  Somit wurde das Lesen des “Levitikus” leicht mit einer Moral- und Strafpredigt assoziiert, für was es heute noch steht.

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Eine Antwort auf Jemandem die Leviten lesen

  1. Jochen sagt:

    Es mag sein, daß früher Mönche aus dem dritten Buch Mose, Leviticus genannt, vorgelesen haben, um anderen eine Strafpredigt zu halten; und es mag sein, daß sich daraus dann die Redewendung “jemandem die Leviten lesen” entwickelt und bis heute erhalten hat, doch ursprünglich war damit etwas ganz anderes gemeint.

    Nach dem Auszug aus Ägypten, hat der Gott der Israeliten befohlen, daß jeder Erstgeborene aus seinem auserwählten Volk und dem Tierbestand, ihm gehört. Wie aus der Bibel bekannt, hat sich dieser Gott gerne Tieropfer bringen lassen.

    2.Mose 22:29 Deinen Überfluß und dein Bestes sollst du nicht zurückbehalten; deinen erstgeborenen Sohn sollst du mir geben!
    30 Desgleichen sollst du tun mit deinem Ochsen und deinem Schaf; sieben Tage mag es bei seiner Mutter bleiben, am achten Tag sollst du es mir geben!

    Der Geruch des verbrennenden Fleisches des Opfers, war immer ein Wohlgeruch für diesen Gott.

    2.Mose 29:25 Darnach nimm es von ihren Händen und zünde es an auf dem Altar zum Brandopfer, zum süßen Geruch vor dem HERRN; es ist ein Feueropfer des HERRN.

    Daß sie es ihm geben sollten bedeutet, daß sie das jeweilige Opfer für ihn (Gott) töten mußten. Später hat sich dann daraus, was das menschliche Opfer angeht, das Ritual der Beschneidung entwickelt, wobei nicht mehr der ganze Körper geopfert wurde, sondern nur noch ein kleiner Teil des Körpers, nämlich die männliche Vorhaut. Die Beschneidung bei den Israeliten erfolgt immer am achten Tag nach der Geburt.

    4.Mose 3:12 Siehe, ich habe die Leviten unter den Kindern Israel genommen an Stelle aller Erstgeborenen unter den Kindern Israel, also daß die Leviten mein sind.

    Zu der Zeit als die menschlichen Erstgeborenen auch noch dem Willen dieses Gottes nach geopfert werden mußten, wurde die Regelung dahingehend geändert, daß Angehörige aus dem Stamm der Leviten anstelle der eigentlichen Erstgeborenen genommen wurden, die dann Leibeigene dieses Gottes wurden, ihm zu Diensten sein mußten und die auch als Opfer herhalten mußten, wenn er mal wieder den Wohlgeruch von verbranntem Fleisch genießen wollte.

    Aus dem Stamm der Leviten wurden also bestimmte Personen herausgelesen, also die Tauglichsten für den Dienst für Gott. Vergleichbar ist damit die sogenannte Musterung beim Militär. Da werden auch jene aus dem Volk gelesen, die, wenn der gottähnliche Oberbefehlshaber es für richtig hält, auf dem Altar des Schlachtfeldes geopfert werden, d.h. die bei Bedarf in einem Krieg für den Rest des Volkes dann den Kopf herhalten müssen.

    2.Kor 2:16 diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. Und wer ist hierzu tüchtig?

    Röm 12:1 Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, kraft der Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber darbringet als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst!

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