Phänomenal falsch

phänomenal falschEs ist schon erstaunlich, man könnte sogar fast sagen, phänomenal. Selbst riesige Konzerne, die augenscheinlich über ein gigantisches Werbebudget verfügen, scheuen sich nicht, Plakate, Aufsteller und Flyer in einer geschätzten Millionenauflage drucken zu lassen, ohne sich dabei um eine korrekte Schreibweise zu scheren.

Die richtige Schreibweise – neuestes Opfer der Finanzkrise?

Phänomenal falsch: Im Deutschen schreibt man das Wort noch immer mit “ä”. Und warum? Nicht die Schweizer haben’s erfunden, sondern die Griechen. Denn das Wort leitet sich aus dem griechischen φαινομενον (phainomenon=das Wunder, das Erscheinende) ab. Und wie der geneigte Leser schon hier erkennen kann, existiert auch im griechischen Original ein “a” und kein “e”. Das nachfolgende “i” ist letztendlich für die Diphthongierung verantwortlich, wodurch es im Deutschen dann zu diesem “ä” kam. Das zugrundeliegende griechische Verb φαινομει (pheinomei=sichtbar werden) findet sich auch in anderen deutschen (Fremd-)Wörtern wieder, z.B. in der Biologie, wenn wir vom Phänotypus, also von der äußeren Erscheinung eines Lebewesens sprechen. Auch im Lateinischen haben wir es noch immer mit dem “ä”-Laut zu tun: “Phaenomenon” bedeutet in dieser Sprache eine Lufterscheinung, also etwas ähnliches wie eine Fata Morgana.

Sollte Gillette das nächste Mal in der Kaffeekasse noch 2 Eurolein übrig haben, würde ich vor dem Druck solch bedeutender Werbeflächen doch zu einem Lektorat raten.

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3 Antworten auf Phänomenal falsch

  1. Christian sagt:

    Technisch vollkommen richtig, aber ich denke, man hat das Lektorat nicht schlicht und einfach vergessen. Gillettes neueste Krone der Schöpfung nennt sich nämlich Phenom, von daher also wohl eher eine dieser bewussten Verunstaltungen im Deutschen.

  2. Thorsten sagt:

    Werbedeutsch ist doch eh eine eigene Sprache. Ich denke Gillette wollte den Slogan international verwenden und über Großauflagen, der oben genannten Aufsteller, sparen…

  3. Frank sagt:

    Das mit dem Phenom leuchtet natürlich ein. Trotzdem halte ich das in diesem Fall für ungeschickt, denn immerhin lesen das auch viele Kinder (oder Erwachsene), die dann denken, dass das richtig so wäre. Dass sie den Slogan international verwenden wollen und es deshalb falsch schrieben, glaub ich allerdings weniger, denn immerhin stehen hintendran ja auch noch andere deutsche Wörter.

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