Sprachen lernen – aber wo und wie?

Wenn man eine neue Sprache lernen möchte, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, dieses Vorhaben anzugehen. Im Folgenden stelle ich einige Möglichkeiten dar, von denen die einen mehr und die anderen weniger effizient sind.

1. Selbststudium: Man pilgert in die nächste Buchhandlung und kauft sich ein Lehrbuch, trägt es nach Hause und ackert es von A-Z durch. Sicherlich eine Möglichkeit, allerdings nicht gerade die effizienteste und unterhaltsamste. Zudem mit einigen Nachteilen verbunden, denn wenn man nicht gerade ständig mit seinem Spiegelbild erzählt, übt man auch nicht die richtige Aussprache. Die Sprachkenntnisse wird man schnell wieder vergessen haben.

2. Volkshochschule: Man geht in die nächste VHS und meldet sich dort zu einem Kurs an. Mit Volkshochschulen habe ich diverse Erfahrungen gemacht, alle waren leider nicht wirklich positiv. Erstens kommt oftmals ein Kurs in “exotischeren” Sprachen (wozu stellenweise sogar schon Französisch zählt!) oftmals erst gar nicht zu Stande. Zweitens ist es so, dass die wenigsten Leute, die sich dort anmelden, eine Sprache wirklich ernsthaft lernen wollen. Ihre Intention ist es oftmals, sich in Spanien ein Bier zu bestellen oder in Italien nach dem Weg zu fragen. Da auch keine Aufnahmebeschränkungen bestehen, kann sich jeder dort anmelden, was zur Folge hat, dass die Bildungsvoraussetzungen der Gruppe recht unterschiedlich sind, was wiederum zur Folge hat, dass das Lerntempo teilweise extrem langsam ist. Meine VHS-Lehrer waren alle nicht gerade die kompetentesten, was ich aber keinesfalls verallgemeinern möchte. Wer bessere Erfahrungen gemacht hat, darf sie hier gerne vortragen! Ein VHS-Kurs findet in der Regel nur einmal die Woche statt und dann für 90 Minuten. Das ist verdammt wenig und bedeutet, dass man bis zur nächsten Woche zumeist alles wieder vergessen hat.

3. Privatlehrer: Man sucht sich einen Privatlehrer, der einen daheim unterrichtet. Sicherlich die teuerste aber auch eine recht effektive Methode (kommt natürlich auf den Lehrer an). Ich finde es allerdings in einer großen Gruppe lustiger und durch die Fragen anderer Teilnehmer werden oftmals auch eigene beantwortet, die man sich vielleicht selbst nicht zu stellen traut. Gruppenarbeit und das Nachstellen von Gesprächssituationen ist natürlich in der Gruppe auch einfacher.

4. Gasthörerschaft: Was die wenigsten wissen: Man kann sich auch als Nicht-Student an einer Uni als Gasthörer einschreiben lassen. Das kostet etwa 90 Euro pro Semester und damit kann man dann die Uni-internen Sprachkurse besuchen. Diese Kurse sind sehr straff organisiert und man lernt in kurzer Zeit eine ganze Menge. Leider sind sie manchmal überfüllt, daher gilt es, sich vorher beim Dozenten oder im Sekretariat zu erkunden, ob man als Gasthörer diese Kurse besuchen darf. Der Vorteil ist, dass man zumindest an “altehrwürdigen” Unis eine unheimlich breite Palette an Sprachen lernen kann (von Aramäisch bis Zulu). Weil die Professoren so oder so bezahlt werden, findet der Kurs in jedem Fall statt, auch wenn nur ein Student da rumsitzt. Im günstigsten Fall hat man also sogar eine kleine gemütliche Gruppe. Bei den bekanntesten und beliebtesten Sprachen (Englisch/Spanisch/Französisch) ist es allerdings meist genau andersrum, hier besteht oftmals sogar eine Aufnahmebeschränkung. Allerdings werden in diesem Fall zusätzliche Kurse eingerichtet, sodass jeder auf seine Kosten kommt. Zudem finden die Kurse meist zweimal die Woche statt, was ein intensiveres Studium der Sprache ermöglicht. Ein Nachteil ist, dass die Kurse meist am Vormittag oder frühen Nachmittag stattfinden, was für die normale arbeitende Bevölkerung nicht gerade von Vorteil ist. Es gibt aber auch Kurse, die erst um 20h starten. Am besten erkundigt man sich einfach an der Uni in seiner Nähe.

5. Sprachkurs im Ausland: Ein Sprachkurs im Ausland ist eine wunderbare Methode, eine Sprache wirklich intensiv zu lernen. Der Vorteil ist, dass man im Land tatsächlich durchgehend mit der Sprache konfrontiert wird, sei es im Fernsehen, im Kurs oder auf der Straße. Um den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen, sollte man sich auch bemühen, mit Einheimischen in Kontakt zu treten und möglichst nicht die ganze Zeit mit anderen Deutschen zusammenhängen. Das beste Ergebnis erzielt man, wenn man die Grundlagen der Sprache schon in Deutschland gelernt hat und dann nur nochmal 4 Wochen ins Ausland fährt, um dort seine Kenntnisse zu perfektionieren. Ein Vormittagskurs reicht hier völlig aus. Am Nachmittag bleibt dann immer noch genug Zeit die Umgebung zu erkunden oder baden zu gehen. Dies ist zwar die effizienteste Methode eine Sprache zu lernen, leider aber auch die teuerste. Ein 4-wöchiger Kurs (weniger ist eigentlich nicht zu empfehlen) schlägt meist mit um die 1000 Euro zu Buche, je nach Unterkunft und Verpflegung. Bezüglich der Unterkunft ist eine Gastfamilie sehr zu empfehlen, denn hier wird man wirklich in den Alltag integriert und übt die Fremdsprache in der Praxis.

Fazit: Wer eine Sprache ernsthaft, schnell und effektiv lernen will, dabei nicht zu viel Geld ausgeben und auch auf kompetentes Lehrpersonal nicht verzichten will, ist mit einer Gasthörerschaft an einer Uni am Besten bedient. Wer eine Sprache nur zum Spaß lernen will um in Italien ein Schnitzel zu bestellen, für den reicht auch ein VHS-Kurs. Um seine Sprachkenntnisse wirklich zu perfektionieren sollte man die Grundlagen hier lernen und dann eine mindestens 4-wöchige Sprachreise im Ausland buchen.

Wer auf eine andere Art und Weise eine Sprache zufriedenstellend gelernt hat oder gute wie schlechte Erfahrungen mitteilen möchte, darf sich hier gerne äußern!

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4 Antworten auf Sprachen lernen – aber wo und wie?

  1. Sarah sagt:

    Es gibt auf jeden Fall auch die Möglichkeit sich eine gute Sprachschule zu suchen. Die bieten meistens sogar mehr Unterrichtseinheiten in einer Woche an & haben oft auch kleinere Gruppen. So ist die Effektivität wirklich gewährleistet.

  2. schoni sagt:

    Meiner Meinung nach ist die beste und nachhaltigste Möglichkeit, eine Fremdsprache zu lernen diejenige, dies im Ausland zu tun. Ich möchte nun hier sicherlich nicht von mir auf andere schließen aber ich habe mal einen vierwöchigen Sprachkurs in Spanien absolviert (mit so gut wie gar keinen Vorkenntnissen) – siehe da – das Ergebnis war phantastisch !! Auch schafft man so eine Grundlage, auf der man dann weitere Kurse in Deutschland besuchen kann. Außerdem ist eine Sprachreise ins Ausland ja auch immer oder zumindest optimalerweise mit Urlaub verbunden, da lässt es sich dann doch im Strand deutlich entspannter lernen und auch abends im Lokal (leckere Mahlzeiten) bestellen…

  3. Superüberblick … Ich selber denke, dass die Option eine Sprache im Ausland zu lernen die Beste darstellt. Es kommen vor allem zwei Faktoren zusammen: Effektivität und Motivation. Man lernt sozusagen ständig und ist auch motiviert dies zu tun. Der Kostenpunkt ist natürlich nicht zu vernachlässigen.
    Eine ganz neue Möglichkeit im Zeitalter des Internet ist es, einen Onlinesprachkurs zu machen. Moodle (Lernplattform im Netz) hilft dabei und zeigt neue Wege auf bei der Sprachvermittlung im Netz. Der Lehrer kommuniziert per Mail, Skype, Foren …. und kann multimediale Hilfsmittel (Youtube, Audio, PDF, Podcasts, Onlinezeitschriften, etc.) einsetzen, um den Schülern was beizubringen. Klingt nach Zukunft ist aber schon Präsens. Wie sagt man so schön?! Probieren geht über studieren.

  4. Übersetzungsbüro sagt:

    Schöner Artikel.Gefällt mir gut.
    Eine internationale Kommunikation ist heute nicht mehr wegzudenken und
    im Global Business durchaus wichtig, das wird auch hier durchaus deutlich.
    Die beste Art und Weise eine Sprache zu lernen, ist wohl das wirkliche Auseinandersetzen in Form eines Auslandaufenthaltes.
    Der tägliche Kontakt mit der Sprache ist ideal geeigenet, um ein eigenständiges Sprachdenken zu entwickeln, eine nicht ganz so günstige Methode, aber durchaus rentabel.
    Denn nur wer sich täglich mit der Sprache auseinandersetzet, wird einen Lernerfolg erzielen, meiner Meinung nach.
    Zudem spielt natürlich die Lernbereitschaft eine große Rolle und das Interesse an der Sprache, in jedem Falle ist es heute eine Notwendigkeit international fehlerfrei zu kommunizieren.

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