Sprachenlernen für Fortgeschrittene (1): Zweisprachige Ausgaben

Letztes Mal habe ich darüber berichtet, wie man mit Hörbüchern und Fernsehsendungen seine Sprachkenntnisse aufpolieren und verbessern kann. Heute möchte ich eine weitere Methode vorstellen: Zweisprachige Ausgaben. Was sind zweisprachige Ausgaben? Nun, wie der Name schon sagt, sind das Bücher, die in zwei Sprachen gleichzeitig verfasst sind. Wie soll das gehen? In der Praxis sieht das so aus, dass beispielsweise auf der linken Seite die deutsche Version steht, auf der rechten Seite parallel dazu die Fremdsprache. Ich war schon sehr erstaunt, wie viele meiner Kommilitonen (alles Sprachenstudenten) noch nie von solchen Ausgaben gehört hatten und sich über den Tipp freuten. Zweisprachige Ausgaben sind dann gut geeignet, wenn man das Lehrbuch bereits durchgearbeitet und einen Grundwortschatz aufgebaut hat. Man sollte also schon einigermaßen mit der Sprache vertraut sein, die man gerade versucht zu lernen. Zweisprachige Ausgaben haben allerdings meines  Erachtens auch ein paar kleine Nachteile:

1. Zwangsläufig sind nicht immer alle Themen/Geschichten verfügbar, für die man sich interessiert. Es werden allerdings immer mehr, sodass die Auswahl mit der Zeit größer wird.

2. Man neigt ein bisschen zur Faulheit, weil man ja nicht mehr jedes Wort nachschlagen muss.

3. Die Übersetzungen sind oftmals sehr frei. Das hört sich im Deutschen natürlich schöner an, ist aber zum Lernen nicht unbedingt förderlich.

Alles in Allem sind die zweisprachigen Ausgaben aber durchaus eine tolle Idee und eine echte Bereicherung für die Bücherwelt. Man bekommt ein besseres Gefühl für die Sprache und lernt dadurch längere Texte flüssig zu lesen, ohne müde zu werden. Gute Erfahrungen habe ich mit den zweisprachigen Ausgaben von dtv gemacht. Hier steht eine große Palette an modernen Kurzgeschichten in allen möglichen Sprachen zur Verfügung. Etwas günstiger kriegt man es mit den zweisprachigen Ausgaben von Reclam. Diese haben ihren Schwerpunkt allerdings eher auf klassischer Literatur, Dramen und Theaterstücken. Vor allem die griechisch-deutschen Ausgaben sind hervorragend dazu geeignet, sich auf das Graecum vorzubereiten (viele Grüße an Herrn Sunnus an dieser Stelle ;-)

Die ganz hartgesottenen Sprachenfreaks (so wie ich einer bin) bestellen sich zweisprachige Ausgaben in zwei Fremdsprachen. So hab ich mir zum Beispiel neulich in Straßburg die zweisprachige Ausgabe (Spanisch/Französisch) Nouvelles hispano-américaines, volume 1

zugelegt und war begeistert. Wenn man beide Sprachen spricht und sich für vergleichende Sprachwissenschaft interessiert, kann man mit Hilfe solcher Bücher interessante Erkenntnisse gewinnen.

Und jetzt viel Spaß beim Schmökern an dunklen Wintertagen!

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6 Antworten auf Sprachenlernen für Fortgeschrittene (1): Zweisprachige Ausgaben

  1. Ute sagt:

    *schüttel* gerade (Spanisch/Französisch) finde ich heftig. Klar, bei mir ist ein Problem, dass meine Französischkenntnisse eher rudimentär sind. Diese Grundlagen Wirtschaftsfranzösisch, gab es rund eineinhalb Jahre einmal wöchentlich nachmittags.

    Hin und wieder kam es vor, dass der Unterricht nach einem Spanischvormittag war, das war keine gute Idee. Das Gewürfel versteht nur, wer tatsächlich beide Sprachen spricht, unsere Französischlehrerin, die nicht spanisch sprach, verstand fast nichts mehr. Viel besser klappte es, nach einem Englischvormittag. Klar, manches ging schneller und besser, eben weil wir Spanischkenntnisse hatten, aber so ganz direkt nacheinander, war selbst bei denen, die in beiden Sprachen sehr gut waren keine Alternative.

    Deshalb beeindruckt mich jemand, der dann tatsächlich diese Kombination in zweisprachiger Ausgabe liest.

    Ich habe es mehrfach versucht, ich mag die zweisprachigen Versionen nicht, denn ich lese keine mehr so richtig. Was ich jedoch immer mal wieder mache, ist nacheinander in verschiedenen Sprachen. Klar, das Buch muss man mögen, sonst bringts das nicht, aber ich als bekennende Harry-Potter-Liebhaberin kann das ganz gut.

    Zuerst war da immer die englische Version, denn die kam ja zuerst auf den Markt. Dieser folgte die deutsche Version, einfach so zum Runterlesen ebenfalls ganz nett. Deutlich später las ich dann jeweils die spanische Version, allerdings lese ich wesentlich langsamer spanisch als englisch, so dass ich da erst beim fünften Teil bin.

    In dieser Kombination war es für mich prima, das Original ist sprachlich wesentlich besser und schöner zu lesen, als die deutsche Version. Ein paar Details fielen mir jedoch jedesmal erst bei der deutschen Version auf. Wenn ich anschließend als dritte Version spanisch nehme, dann stören ein paar fehlende Vokabeln nicht. Bei Harry macht es mir auch tatsächlich Spaß, nicht nur wegen der Sprache, sondern auch, weil sich die Atmosphäre innerhalb des Buchs mit der Sprache ändert.

  2. Frank sagt:

    Hallo Ute,

    mit Deinem Kommentar hast Du mir ja fast schon den nächsten Beitrag zum Thema vorweggenommen! ;-) Ich bevorzuge auch die einsprachigen Ausgaben, aber am Anfang sind die vielleicht doch etwas zu hart. Harry Potter ist sicher eine gute Möglichkeit, wenn meine Interessen doch eher in eine andere Richtung gehen. Wichtig ist, dass man sich für das jeweilige Thema interessiert. Die zweisprachigen Ausgaben in zwei Fremdsprachen sind sicherlich nur für die hardcore freaks, die ihre Kenntnisse beruflich brauchen, z.B. als Dolmetscher oder Übersetzer oder für Studenten, die die betreffenden Sprachen auch studieren.

  3. Ute sagt:

    Hi Frank,

    ja ja, nach dem Abschicken dachte ich auch, dass der Kommentar wohl etwas sehr lang war, sorry :cry:
    Zu Harry Potter gibt es meines Erachtens auch nur zwei Sichtweisen, entweder jemand, wie ich, war irgendwann einfach fasziniert oder man mag es halt nicht.
    Ich mag sonst keinerlei Fantasy, mit Ausnahme von “Herr der Ringe” habe ich bei solchen Büchern auch nie durchgehalten.

    Bei Harry Potter fing ich mit den ersten beiden Büchern auf Englisch an und ich liebe die Art von J.K. Rowling zu schreiben. Das absolute Highlight ist für mich der Einstieg in den letzten Teil. Erwartet hatte ich eine erste Zusammenfassung, einen gemütlichen Einstieg in diesen Schlussteil, doch sie startet vom ersten Satz an durch, genial!

  4. Frank sagt:

    Nein ist doch super wenn Du mitschreibst hier. Da haben ja andere Leser auch was von.

    Herr der Ringe find ich auch gut, das allerdings eher im Kino. Diese Landschaftsaufnahmen aus Neuseeland sind einfach einzigartig.

  5. Pingback: Sprachen lernen und verstehen

  6. Ute sagt:

    Das Buch habe ich mal an drei Tagen im Sonnenschein auf dem Balkon gelesen, also halt im Original.
    Mir war das Ende zu langatmig, zweihundert Seiten früher Schluss, wäre perfekt gewesen.
    Genau dieses langatmige fehlt freundlicherweise im Film. :-)

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