Tipps zum Sprachenlernen: Muttersprachler oder nicht?

Wer sich dazu entschließt eine neue Sprache zu lernen, zieht oftmals in Erwägung, dies mit Hilfe eines Lehrers zu tun. Diese Entscheidung ist auch durchaus sinnvoll, denn wie bereits erwähnt, lernt man eine Sprache am schnellsten und und besten, wenn man übt sie zu hören, zu schreiben, zu lesen und zu sprechen.

Ist es nun nicht sinnvoll, die neue Sprache gleich bei einem Muttersprachler zu lernen? Der muss es ja schließlich drauf haben! Dazu von mir ein glasklares JEIN. Für das erste Jahr im Unterricht einer nagelneuen Sprache ist ein Muttersprachler als Lehrer relativ ungeeignet. Warum? Ich habe schon viele Muttersprachler ausprobiert und alle hatten eines gemeinsam: Die Grammatik ihrer Muttersprache können sie oftmals nur schlecht an andere vermitteln und was noch wichtiger ist: Sie können sich nur schwer in einen Deutschen hineinversetzen, der ihre Sprache lernen muss, weil sie ja unsere Sprache aus einer ganz anderen Perspektive gelernt haben. Für den Anfang, also für die Phase, in der es fast ausschließlich um die Grammatik der neuen Sprache geht, ist es also am Besten, einen kompetenten deutschsprachigen Lehrer zu wählen, der die zu lernende Sprache ebenfalls als Fremdsprache gelernt hat. Er weiß genau, welche Schwierigkeiten einen erwarten und welche Fehler von Deutschen am häufigsten begangen werden.

Irgendwann wendet sich aber das Blatt und zwar dann, wenn die Grammatikphase weitgehend beendet ist und es daran geht, den Wortschatz aufzubauen und bestimmte Redewendungen zu lernen. Hier hat ein deutscher Lehrer keine Chance mehr, deswegen ist es ab jetzt besser, zu einem kompetenten Muttersprachler zu wechseln.

Was benötigen wir noch, um mit dem Lernen einer neuen Sprache anzufangen? Das Wichtigste ist, dass wir zumindest halbwegs alle grammatischen Fachbegriffe kennen. Zu diesem Zweck habe ich meine Kategorie Grammatik für Dummies eingerichtet. Warum ist das so wichtig? Wir brauchen diese Begriffe ganz einfach, um eine gemeinsame Basis zu haben und uns über Sprache und das Sprachenlernen verständigen zu können. Wenn von Ikea das Kuschelbett “Lillehammer” geliefert wird und in der Anleitung steht, man soll zum Zusammenschrauben einen Vierkantschlüssel benutzen, dann muss ich wissen wie so ein Teil aussieht. Genauso ist es mit den Sprachen: Wenn im Lehrbuch steht, dass das Verb an zweiter Position im Satz steht oder Lehrer sagt, dass das Adjektiv an das Genus des dazugehörigen Substantivs angeglichen wird, dann muss ich wissen, was er damit meint. Über die Möglichkeiten eine Sprache gut, schnell und effizient zu lernen, berichte ich das nächste Mal.

Share
This entry was posted in Tipps zum Sprachenlernen and tagged . Bookmark the permalink.

9 Antworten auf Tipps zum Sprachenlernen: Muttersprachler oder nicht?

  1. Ute sagt:

    Hm, dieses Mal bin ich anderer Meinung.

    Englisch habe ich ursprünglich in der Schule gelernt, mit deutschen Lehrern und schönen Geschichten über Grammatik. Bis ich mich traute mal irgendwann wirklich zu sprechen, dauerte ewig.

    Spanisch habe ich in einer Umschulung gelernt, ohne jegliche Vorkenntnisse und ohne ein Wort deutsch. Wir wussten über Monate gar nicht, dass unsere Lehrerinnen überhaupt deutsch sprechen. Niemand konnte zu irgendeinem Zeitpunkt einfach wieder auf deutsch wechseln zum Erklären.

    Auch nach über zehn Jahren höre ich manche Erklärungen noch im Hinterkopf, sei es zur Aussprache oder sei es zur Grammatik.

    Die Grammatik unterscheidet sich ja teils sowieso und an manchen Stellen gibt es kein deutsches Äquivalent.

    Sicherlich sollten Sprachlehrer in der Lage sein die Grammatik zu erklären. Später für die Tiefen der spanischen Geschäftsbriefe, gab’s schon auch mal zumindest Vergleiche mit dem Deutschen.

    Insgesamt habe ich jedoch mit Muttersprachlern sehr viel mehr gelernt, als mit deutschen Lehrern.

  2. Frank sagt:

    Hallole Utele,

    Du sprichst ein paar wichtige Punkte an. Du hast Recht, der Englischunterricht an Schulen ist oft nicht besonders gut. Zum Einen, weil viel zu spät damit begonnen wird und zum Anderen, weil die wenigsten Lehrer erklären (können oder wollen), warum dieses oder jenes im Deutschen anders ist. Dazu kommt, dass man als Schüler meist andere Interessen hat und den Unterricht mehr als notwendiges Übel betrachtet. Eigentlich ist Englisch als erste Fremdsprache auch eher suboptimal, aber darauf gehe ich an anderer Stelle noch ein. Dummerweise ist es natürlich zweifelsohne die wichtigste Sprache der Welt.
    Wenn man genügend Zeit zur Verfügung hat, ist es natürlich auch möglich, gleich von Anfang an bei einem (guten) Muttersprachler zu lernen. Allerdings braucht es natürlich erstmal eine längere Anlaufzeit, bis man überhaupt etwas versteht, was nicht so gut ist, wenn man sich schnell für eine Prüfung oder ein Event fit machen muss. So finde ich es zum Beispiel super, wenn die Kinder heute schon im Kindergarten anfangen von Muttersprachlern unterrichtet zu werden. Besser geht es ja nicht! Je früher desto besser. Dabei ist aber zu bedenken, dass Kinder eine Sprache ganz anders lernen als Erwachsene. Ab einem gewissen Alter lernt man eine Sprache eher rational als intuitiv (die Forschung schwankt da zwischen einem Alter von 13-18), weil für das Ablegen der Sprachinformation ab einem bestimmten Alter ein anderes Hirnareal benutzt wird, als im frühen Kindesalter. Dies muss man deutlich unterscheiden. In meinen Beiträgen hier gehe ich eher auf das Sprachenlernen für Erwachsene ein, Kinder müssen und können eine Sprache ganz anders lernen und dies am Besten so früh wie möglich und dann von einem Muttersprachler. Gut, dass Du mich drauf gebracht hast.

  3. Ute sagt:

    Hi Frank,

    klar, wenn Kids bereits die Chance haben eine Sprache zu lernen, ist das zweifelsfrei der beste Weg.

    Jedoch geht es eben auch wesentlich später noch.

    Ich habe die Umschulung zur fremdsprachlichen Wirtschaftskorrespondentin im Englischen mit dem Stand des Fachabiturs begonnen, für Spanisch hatte ich keine Vorkenntnisse. Abgeschlossen habe ich nach zwei Jahren in beiden Sprachen mit identischem Notendurchschnitt (1,8) für vergleichbare Anforderungen.

    Anders gesagt mit dem Unterricht, der ohne deutsche Erklärungen war habe ich in zwei Jahren den Vorsprung meines gesamten Schulenglischs aufgeholt.

  4. Frank sagt:

    Hallole,

    grundsätzlich ist es so, dass man in jedem Alter (auch im hohen Alter noch!) eine neue Sprache lernen kann. Nur wird man es mit der Zweitsprache nie auf muttersprachliches Niveau schaffen, d.h. ein Muttersprachler wird immer an Deinem Akzent erkennen oder an einer vielleicht in manchen Situationen merkwürdigen Wortwahl, dass Du nicht wirklich in dem Land aufgewachsen bist. Das liegt daran, dass die Muttersprache in einem anderen Hirnareal abgespeichert wird als alles andere was danach kommt. Bei Kindern, die konsequent bilingual aufwachsen so, dass sie in keiner der beiden Sprachen wirklich perfekt sind. Dafür sind sie oftmals die besten Dolmetscher, weil sie von klein auf gewohnt sind von einer Sprache in die andere zu “switchen”. Wer sich ernsthaft für den frühkindlichen Spracherwerb und Mehrsprachigkeit interessiert, dem sei dieses Buch empfohlen: “Spracherwerb und Mehrsprachigkeit/Language Acquisition and Multiligualism”, eine Festschrift für Els Oskaar, herausgegeben von Brigitte Narr und Hartwig Wittje. Eine Ansammlung hochinteressanter Studien zum Thema, allerdings größtenteils auf Englisch: http://books.google.de/books?id=FPKgrQ2W6GkC&pg=PA327&lpg=PA327&dq=Spracherwerb+und+Mehrsprachigkeit+Els+Oskaar&source=web&ots=pd8wJmo-5D&sig=KVQBLWivQToDJM-rxPFdcIAG4nQ&hl=de&sa=X&oi=book_result&resnum=3&ct=result#PPR9,M1

  5. Ute sagt:

    N’abend,

    ahlagut wenn man es einer älteren Dame gaaanz langsam erklärt, dann wird das noch. ;-)

    Klar, bezogen auf die Muttersprache hast du recht. Ich frage mich, was wohl die Muttersprache ist. Klar im deutschsprachigen Raum eigentlich deutsch. Aber die ersten Jahre, bevor man lesen lernt, da ist es bei vielen ja nicht das Deutsch, welches sie später schreiben.

    Was genau ist wohl Muttersprache? Ist ein Dialekt dann Teil der Sprache oder bedeutet das, dass schon viele Kinder “zweisprachig” aufwachsen?

    Denn wenn die Eltern einen Dialekt sprechen, während in Radio und Fernsehen hochdeutsch gesprochen wird, sind es ja je nach Gegend völlig andere Wörter, eine andere Grammatik usw.

  6. Frank sagt:

    Hallole Utele,

    als Muttersprache bezeichnet man die Sprache, die ein Kind in den ersten Lebensjahren, in der Regel bis zur Pubertät, lernt. In der Regel erfolgt das durch die engste Bezugsperson, also meistens die Mutter (in manchen Konstellationen vielleicht auch der alleinerziehende Vater, die Nanny oder was auch immer ;-)
    Dass die Eltern eventuell Dialekt reden, spielt dabei keine große Rolle, denn es handelt sich ja noch immer um dasselbe Sprachsystem und dieselbe Grammatik. Also ein Kind, das sowohl Bayrisch als auch Hochdeutsch kann, sollte man nicht als Bilingual bezeichnen (höchstens im Spaß). Bilingual werden Kinder nur dann, wenn ihre Elternteile oder Bezugspersonen echte unterschiedliche Sprachen sprechen und das konsequent, also zum Beispiel ein Elternteil nur Deutsch und das andere nur Französisch oder Englisch. Einige Forscher glauben allerdings, dass es für die Intelligenz und das Sprachvermögen förderlich ist, wenn ein Kind sowohl mit Dialekt als auch mit Hochsprache aufwächst, weil dadurch lernt, zwischen verschiedenen Sprachstandards zu differenzieren. Solche Kinder sollen angeblich später auch mal leichter eine Fremdsprache lernen, weil ihr Gehör auf die Unterscheidung lautlicher Feinheiten “geschult” ist.

    VG Frank
    PS: Welches Lehrbuch hattest Du für Spanisch?

  7. Ute sagt:

    Worin unterscheiden sich Dialekt und andere Sprache? Warum ist holländisch eine Sprache, Schwizerdütsch aber nicht?

    Ähm, ups, inlingua-Buch, der Titel ist mir grad entfallen und wegen Baustelle kann ich auch grad nicht nachschauen, sorry.

    Auf jeden Fall enthalten die beiden Bücher kein Wort deutsch, dafür diverse Zeichnungen.

    Außerdem hatte ich später noch ergänzend zwei der üblichen deutschen Spanisch-Lernbücher:
    ¡Eso es!
    nicht gerade ein Traum, aber für ein paar Standardvokabeln ganz ok..

    Puente
    deutlich besser, aber ich habe die Grammatik nur auf spanisch erklärt besser verstanden, als die deutschen Entsprechungen.

  8. Frank sagt:

    Hallole Ute,

    WordPress informiert mich schon gar nicht mehr über Deine Kommentare :-) Gehörst also quasi schon zum Inventar.

    Die Grenzen zwischen Dialekt und Sprache sind oftmals fließend, da bist Du nicht die Erste, die sich das fragt. Zunächst einmal wurde definiert, dass man eine andere Person ohne Probleme verstehen können muss, wenn man nur von einem Dialekt anstatt von einer anderen Sprache sprechen will. Da dies aber nur sehr subjektiv ist (denn welcher Berliner versteht schon einen Bayern, der im breitesten Dialekt loslegt!) ging man dazu über, das Ganze an der Schriftsprache zu orientieren. Diese Grenze verläuft dann eben auch meistens mit der geographischen Grenze und auf die Unterschiede Sprache/Dialekt wird gerade in politisch “brisanten” Regionen viel Wert gelegt. So könnte man ja durchaus z.B. bei Katalanisch auch von einem spanischen Dialekt sprechen, die Katalanen legen aber viel Wert auf ihre Unabhängigkeit und haben ja auch eine gemeinsame Schriftsprache, ergo ist es eine eigene Sprache und kein Dialekt mehr. Gleiches gilt für das Niederländische: Würde die Grenzen anders verlaufen und die Niederländer Hochdeutsch als Schriftsprache benutzen, könnte man durchaus von einem (wenn auch starken) deutschen Dialekt sprechen.

    Puente kenn ich auch, war aber wenig begeistert davon. Viel zu langatmig irgendwie und didaktisch nicht sehr gut strukturiert.

    Viele Grüße
    Frank

  9. Ute sagt:

    ;-) Na dann, kann ich ja jetzt ungeniert weiter kommentieren, wenn ich schon gar nicht mehr auffalle…

    Wenn die Grenzen fließend sind, (danke für die Erklärung) dann denke ich kann es je nachdem wie stark ein Dialekt ist, schon so eine Art Zweisprachigkeit geben. Zumindest heutzutage, gibt es ja als Gegenstück zum Dialekt der Eltern meist hochdeutsch in Radio und Fernsehen.

    Tja, Puente war deutlich besser, aber das heißt keineswegs, dass ich begeistert war. Wirklich hängen blieb bei überwiegend nicht viel aus Büchern, sondern vom direkten Üben im Unterricht oder zu Hause.

    Ich bin auch sicher, dass es nicht geht eine Sprache vor allem mit Büchern zu lernen…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>