Grammatische Fachbegriffe für Dummies (1): Das Substantiv

Grammatik für Dummies Weiter geht es mit meinem kleinen Grammatik-Kurs. Für den Anfang habe ich mir die Wortarten vorgenommen, um ein bisschen Struktur in die Sache zu bringen. Es gibt zehn Wortarten, also haben wir noch einiges zu tun. Vorbei ist es mit dem Lotterleben! Doch bevor wir weiter machen, sagen wir uns dreimal laut vor: Grammatik macht Spaß! Grammatik macht Spaß! Grammatik macht Spaß! Super. Was ist nun also ein Substantiv?

Das Substantiv wurde von Frau Bratapfel häufig auch als ‘Hauptwort’ oder ‘Nomen’ bezeichnet. Als Dinge, die man gemeinhin anfassen kann. Das ist so nicht ganz richtig, denn “Leben” “Freude” und “Chaos” sind auch Substantive, lassen sich aber nur äußerst schlecht anfassen. Das Substantiv wird groß geschrieben und häufig völlig zu Unrecht von Schülern und Studenten automatisch als Subjekt bezeichnet, das mag es gar nicht gerne. Dafür kann es eigentlich gar nichts, denn im Grunde schlüpft es doch häufig nur zu gerne in die Rolle des Subjekts.

Das Subjekt ist ein Satzteil, beim Substantiv hingegen handelt es sich um eine Wortart. Zur Veranschaulichung ein paar Beispiele:

1. Das Auto fährt mit überhöhter Geschwindigkeit in die Hundehütte von Ottos Mops.

In diesem Fall ist das Subjekt des Satzes ein Substantiv. Na, wer hat’s entdeckt? Genau, “das Auto”. Das Subjekt eines Satzes steht immer im Nominativ und wird mit “wer oder was” erfragt: Wer fährt in die Hundehütte von Ottos Mops? Das Auto. Gleichzeitig handelt es sich um ein Substantiv, wie man nur unschwer an dem vorgeschalteten Artikel (das) erkennen kann.

Dass das Subjekt des Satzes nicht immer ein Substantiv sein muss, zeigt folgender Satz:

2. Mit dem Gassi gehen nimmt er es nicht so genau.

Hoppla, wo ist nun das Subjekt hin? Wir fragen uns wieder, wer es mit dem Gassi gehen nicht so genau nimmt und die Antwort lautet: Genau, in diesem Fall ist “er” das Subjekt des Satzes. “Er” ist nun eindeutig gar kein Substantiv, was man an der Kleinschreibung erkennt, sondern ein Personalpronomen. Die erklär ich aber später noch genauer. Es muss also nicht immer ein Substantiv Subjekt des Satzes sein!

Woran erkennt man nun ein Substantiv? Nun, wie oben schon beschrieben, erkennt man das Substantiv daran, dass es groß geschrieben wird. Außerdem hat es ein Genus, also ein Geschlecht. Das ist jetzt nichts unanständiges, sondern was ganz natürliches. Davon stehen im Allgemeinen drei zur Wahl: Maskulinum (der), Femininum (die) und Neutrum (das). Der Plural, also die Mehrzahl von Genus heißt nicht Genusse oder gar Genüsse, sondern Genera. Es existieren im Deutschen also drei Genera, andere Sprachen geben sich mit zwei zufrieden (z.B. Spanisch oder Französisch). Viele andere Wortarten finden das Substantiv so toll, dass sie selbst eins werden wollen, zum Beispiel Verben. Solche Verben nennt man dann substantivierte Verben. So wird z.B. aus

malen: das Malen

lesen: das Lesen

schreiben: das Schreiben

Aber auch Adjektive möchten gerne manchmal schon wie ein großes Substantiv behandelt werden und nicht wie so ein kleines, nebensächliches Eigenschaftswort:

schön: das Schöne (sie liebt das Schöne)

klug: der Kluge (sie liebt den Klugen)

dumm: der Dumme (sie hasst den Dummen)

Gleiches gilt für die Partizipien:

Partizip Präsens (Partizip I)

schreibend: der Schreibende (der Schreibende genießt das Leben)

lesend: der Lesende (der Lesende liest, was der Schreibende geschrieben hat)

usw.

Partizip Perfekt (Partizip II)

gekauft: das Gekaufte (Ich stelle das Gekaufte in die Küche)

gefangen: der Gefangene (Er gibt dem Gefangenen eine letzte Chance)

usw.

(Häufiger allerdings fungieren die Partizipien als Adjektiv, dann werden sie natürlich klein geschrieben:

Bsp.: Ich stelle die gekauften Waren in die Küche.)

Jede Wortart kann substantiviert werden und wird dann sowohl groß geschrieben, als auch dekliniert, d.h. in die vier Fälle gesetzt:

Nominativ: Der Laufende geht mir auf den Geist.

Genitiv: Die Freundin des Laufenden hat ein Kind bekommen.

Dativ: Dem Laufenden bleibt nichts übrig als weiterzulaufen.

Akkusativ: Den Laufenden sieht man schon von weitem.

———————–

Nominativ: Die Laufenden kennen gar kein Limit.

Genitiv: Die Freundinnen der Laufenden reichen ihnen Wasser beim Marathon.

Dativ: Den Laufenden geht die Puste aus.

Akkusativ: Die Laufenden haben ein Problem mit Blasen an den Füßen.

Und jetzt genug Grammatik für heute, die Laufschuhe angezogen und raus in die Natur!

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2 Antworten auf Grammatische Fachbegriffe für Dummies (1): Das Substantiv

  1. Markus K. sagt:

    Wo liegt der fallbezogene Unterschied zwischen dem Nominativ: Die Laufenden kennen gar kein Limit, und dem Akkusativ: Die Laufenden haben ein Problem mit Blasen an den Füßen?

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