Wenn das Wörtchen "dass" nicht wär…

Grammatik für Dummies … wär das Leben halb so schwer!

Der, die, das. Wer, wie, was. Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm.

Dass es immer noch Zeitgenossen gibt, die nicht müde werden “dass” und “das” munter durcheinander zu werfen und dadurch meinen Lesefluss bremsen, ist täglich in den verschiedensten Foren zur Genüge zu lesen und mir Anlass genug, heute einmal einen klärenden Artikel zum Thema zu verfassen. Wie kann man diese verflixten Wörtchen nun endlich besser auseinanderhalten?

Als der große Babylonikus, Bauherr des Turms von Babel im Jahre MCXXX nach Christus die deutsche Sprache erfand, überlegte er sich, wie er die Sprechergemeinschaft künftig wohl am Besten in den Wahnsinn treiben könnte. So beschloss er kurzerhand, für 4 verschiedene Wortarten dasselbe Wörtchen zu verwenden und es nur in einem Fall durch das Hinzufügen eines weiteren “s” von den anderen abzugrenzen. Nun schlagen wir dem alten und fetten Babylonikus mal ein Schnippchen und bringen Klarheit in die Sache.

das = Ein Artikel und bezeichnet ein Neutrum (also weder Männlein noch Weiblein), immer mit einem “s”. geschrieben.

Bsp.: Das Haus, das Schwein, das Nusspli, das Nutella, das Schnuffeltuch, das Sandmännchen, das Pinguinei.

das = Ein Demonstrativpronomen, z.B. als Alternative zu “dies”, immer mit einem “s”.

Bsp.: Das ist der einzige Pinguin auf der Welt, der flauschige Ohren hat.

das = Ein Relativpronomen, das (welches) Bezug nimmt auf ein Nomen im Neutrum, das (welches) im vorangegangenen Satz erwähnt wurde.

Bsp.: Das ist das Pinguinei, das (welches) ich im Gebüsch gefunden habe. Auch das Relativpronomen schreibt man immer mit EINEM “s”.

dass = Nun ist es endlich soweit: Hier handelt es sich um eine Konjunktion, die zwei Sätze miteinander verbindet. Die Konjunktion “dass” leitet immer einen Nebensatz ein.

Bsp.: Ich denke, dass Pinguine im Allgemeinen keine flauschigen Ohren haben.

Die Aussage, dass man Pinguine nur in der Antarktis vorfindet, ist falsch, man findet sich nämlich auch im Zoo.

Resumé:

Es ist also ganz einfach: Sobald man “das” genausogut durch “welches” ersetzen könnte, handelt es sich um ein Relativpronomen und darf nur mit einem “s” geschrieben werden.

Jetzt noch zu einem Relikt aus der Steinzeit:

daß = Ausgestorben, gibts nicht mehr! Das “daß” hat uns der heilige Babylonikus einfach weggenommen, weil wir uns gerade dran gewöhnt hatten und es viel zu gerne benutzten. Das scharfe “ß”, auch Eszett genannt, kommt nur dann noch zur Anwendung, wenn der vorangehende Vokal lang ausgesprochen wird.

Bsp.: Straße, Grüße (nicht Grüsse!), Füße, Blöße, Floß, Maß, schließen, beißen, reißen …

In Fällen, in denen der vorangehende Vokal kurz gesprochen wird, müssen wir das doppelte “s” benutzen.

Bsp.: Hass, krass, Fass, Schuss, Kuss, Schluss, Bass, Nuss, wissen, missen, küssen …

Also, wer dem alten Babylonikus eins auswischen will, muss einfach nur darauf achten, ob das Wort lang oder kurz ausgesprochen wird.

Wer auch immer einen der-die-das/dass/daß-Sünder in einem Forum erwischt, wird hiermit von mir ausdrücklich autorisiert, auf diesen Artikel zu verweisen:

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4 Antworten auf Wenn das Wörtchen "dass" nicht wär…

  1. Tris sagt:

    Ich kann auch nicht fassen, dass ‘dass/das’ ständig verwechselt wird. Meist wird einfach statt ‘dass’ ‘das’ geschrieben und das noch ohne Komma davor. Musste es auch des öfteren in Wikipedia korrigieren. Selbst vor ein paar Tagen habe ich diesen Fehler in einem Spiegel-Artikel gelesen.
    Auf diesen Artikel traue ich mich in einem Forum gar nicht zu verweisen. Es heißt dann nur: “Wenn du sonst nichts zu sagen hast…”

  2. Frank sagt:

    Hallo Tris,

    da hast Du Recht, die dass/das/daß-Manie scheint um sich zu greifen. Besonders witzig fand ich, dass dieser Fehler sogar André Meinunger (Sick of Sick) auf einer Seite unterlaufen ist, der ja Bastian Sick aufs Korn genommen hat. Nun, was will man machen? Ich meine, ich sterbe auch nicht dran, bin aber doch jedes Mal mindestens kurz irritiert und bleibe im Lesefluss hängen – und das muss ja eigentlich nicht sein.

    Viele Grüße
    Frank

  3. Hans Joos sagt:

    Hallo
    Mich interessiert ob in einem Schriftstück oder Protokoll die Wendung
    “dass wenn …..”
    verwendet werden kann.
    Danke für Ihre Antwort.
    Viele Grüsse

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