Widerstand oder Wiederstand?

Immer wieder, immer wieder denk ich an Dich … mein lieber DUDEN. Vor allem dann, wenn es um das kleine aber feine Wörtchen “wider” geht. Das hat es augenscheinlich ganz schön in sich, denn viele Studenten verwechseln in ihren Bachelor-, Diplom- oder Masterarbeiten immer wieder wieder und wider. Heißt es nun Wiederstand oder Widerstand? Also ist es an der Zeit, im Sprachen-Blog mit diesem widerlichen Wörtchen abzurechnen.

Damit es nicht zu langweilig wird, fangen wir doch einfach mal mit dem Anfang an, also bei der Etymologie. Das gemeingermanische Wort, mhd. wider, ahd. widar, geht auf einen indogermanischen Komparativ *uitero (weiter auseineinander, weiter weg) zurück. Ein Vergleich mit aind. vítaram (weiter, ferner) bestätigt unsere Herleitung. Auch im Russischen haben wir mit vtoroj (der Zweite, bzw. derjenige, der weiter weg ist) eine Analogie zu dem Wörtchen wider.

Bedeutungswandel

Aus der Bedeutung “weiter weg” entwickelte sich im Laufe der Zeit die Bedeutung “gegenüber, gegen”, die sich bis heute gehalten hat, z. B. in dem Spruch “wider besseren Wissens” -> entgegen besseren Wissens. In einer parallelen Entwicklung bekam das Wörtchen die Bedeutung “abermals”. Die unterschiedliche Schreibung der Präposition wider im Sinne von “gegen” und des Adverbs wieder im Sinne von “abermals” geht auf Gelehrte des 17. Jhdts. zurück, um ein Unterscheidungsmerkmal zwischen diesen beiden homophonen Wörtern zu bilden. Wenn man sich also unsicher ist, ob man das wi(e)der  mit “e” oder ohne “e” schreiben muss, sollte man sich einfach nach dem Sinn des Wortes fragen. Könnte man das Wort auch mit “gegen” oder “entgegen” ersetzen, fällt das “e” weg. Könnte man das Wort mit “noch einmal” ersetzen, muss das “e” hinzu. Anbei eine Liste mit widerwärtigen Wider-Wörtern und ihre Definition:

  • zuwider: jemandes Wünschen entgegengesetzt
  • widerspiegeln: zurückwerfen
  • widerlich: abstoßend
  • erwidern: entgegnen
  • widrig: ungünstig, hinderlich
  • Widerhall: Echo (der Hall wird erwidert)
  • widerlegen: ersetzen, vergelten
  • widerrufen: zurückrufen
  • widersprechen: ablehnen, leugnen
  • widerstehen: entgegentreten, sich widersetzen
  • Widerstand: das Entgegenstehen, das Sichwidersetzen
  • widerwärtig: entgegengesetzt, feindlich
  • Widerwille: heftige Abneigung, Widersetzlichkeit

Im Gegensatz dazu:

  • wiederholen/Wiederholung: noch einmal etwas tun.

Wieder was gelernt? Dann schnell an die widerliche Hausarbeit und alle gefunden Widerlinge selbst korrigieren!

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2 Antworten auf Widerstand oder Wiederstand?

  1. Jens sagt:

    Ich habe immer noch 2 Probleme mit wi(e)der:

    1) Wenn “wider” und “gegen” normaler Weise die gleiche Bedeutung tragen, wie erklärt man sich dann die Wörter “widerwärtig” und “gegenwärtig”? Ist die Gegenwart etwa widerwärtig?

    2) Bei dem Wort “Wi(e)derspiegelung” könnte man sowohl mit “nochmals” als auch “gegen/entgegen” argumentieren: Eine Widerspiegelung wäre die Spiegelung, die entgegenspiegelt. Eine Wiederspiegelung wäre eine wiederholte Spiegelung, aber sogar mit 1000 Spiegeln, die einander wiederholt wiederspiegeln würden, würde man es “Widerspiegelung” nennen.

    • Frank sagt:

      Hallo Jens,

      1) nur weil “wider” in der Regel die Bedeutung von “entgegen” hat, muss es umgekehrt nicht auch so sein. Obwohl die Gegenwart manchmal widerwärtig ist, ist es das daraus abgeleitete Adjektiv nicht unbedingt. “Gegen” hat ursprünglich noch viele andere Bedeutungen, so auch in dem Wort “Gegend”, was ursprünglich eben das “gegenüberliegende Gebiet” kennzeichnete.

      2) Eine “Wiederspiegelung” würde nur dann zutreffen, wenn Otto seinen Mops wiederholt mit einem Spiegel blendet. “Oh Mann, Otto spiegelt wieder!” Leider gibt es dieses Wort aber (noch) nicht.

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